Reihe: Erfahrungen aus der Praxis #1

12. Februar 2021
Kind hinter Laptop im Klassenraum (von hinten fotografiert) zeigt im Unterricht auf
Sie möchten erfahren, ob und wie Lehrer/innen schon heute Classroom Management Systeme im Unterricht einsetzen? Lesen Sie mehr.

Am 21.1.2021 fand das letzte Webinar aus der Reihe "Eine Betriebssystem Entscheidung treffen" statt. Jene Fragen, die in diesen Webinaren gestellt und von den Referentinnen und Referenten der Best Practice Schulen beantwortet wurden, teilen wir nun in einer Beitrag-Reihe mit Ihnen.

Manche der Antworten, die hier zu lesen sind, können Sie auch in den von uns veröffentlichten Videos selbst ansehen, z.B. hier.

Die Antworten der Referentinnen und Referenten sind als Erfahrungsberichte zu verstehen und bilden die Meinungen der Expertinnen und Experten ab. Sie sind zum Zwecke der besseren Lesbarkeit nicht wörtlich, sondern sinngemäß zusammengefasst. Ein Kurzprofil aller Expertinnen und Experten finden Sie am Ende dieses Beitrages.

Wir als OeAD geben hier keine Empfehlungen ab. Eine ausgewogene Berichterstattung ist uns ein großes Anliegen. Viel Freude beim Nachlesen!

Frage: Wie sehen Sie das Thema Classroom Management Software1? Setzen Sie eine solche im Unterricht ein – warum, warum nicht?

Claudia Stöckelmaier: Classroom Management Software wurde von uns im Unterricht getestet, mittlerweile wird sie nicht mehr eingesetzt. Vorteilhaft war es zu Beginn des Einsatzes digitaler Devices, da es den Lehrpersonen Sicherheit gegeben hat, sowie eine Form der "Kontrolle" bot, die einige befürchteten zu verlieren. Doch mit der Zeit wurde die Nachfrage und der Wunsch nach einem Classroom Management System immer geringer. Schüler/innen wollen mit den digitalen Devices arbeiten und wissen, dass sie sich dafür an die vereinbarten Regeln halten müssen.

Klaus-Jürgen Spätauf: Es gibt Punkte, die für Classroom Management Tools sprechen. So nutzen wir ein solches z.B. bei der Mathematik Schularbeit: Da verwenden unsere Schüler/innen statt dem Taschenrechner das iPad. Wir können dieses so einschränken, dass die Schüler/innen nur die Taschenrechner Funktion benutzen und beispielsweise keine Formeln im Internet suchen können. Im Gegenstand Englisch könnte man somit sicherstellen, dass zwar ein digitales Wörterbuch genutzt, aber keine vorgefertigten Texte aus der Cloud kopiert werden können. Es ist auch möglich, über "Apple Classroom" auf allen iPads das gleiche Programm oder die gleiche Seite zeitgleich zu öffnen. Außerdem ist es für Lehrer/innen, die sich beim Einsatz der Geräte noch nicht sicher fühlen, angenehm zu wissen, dass es die Möglichkeit gibt, die Geräte einzuschränken.

Kurt Söser: Wir verwenden an der HAK Steyr kein Classroom Management System. Es gibt aber auch für Windows eine solche Software. Ich persönlich glaube, dass "persönliches und pädagogisches Classroom Management" der sinnvollere Weg ist. Keine Software kann meine Funktion als "pädagogischer Leiter einer Klasse" ersetzen. Ein selbstbestimmter und kritisch reflektierter Umgang mit digitalen Hilfsmitteln muss das Ziel sein, nicht auf Knopfdruck eine "Verdunkelung des Bildschirms" zu erwirken. Wenn ich merke, dass manche Schüler/innen nicht so aufmerksam sind, dann gehe ich in ihre Richtung – genauso wie ich es in meinem anderen Unterricht auch tue. Was wir schon seit Jahrzehnten an der HAK Steyr haben, ist eine Prüfungsumgebung, um hier den gesetzlichen Rahmenbedingungen genüge zu tragen. Das kann am ehesten als Classroom Management Software beschrieben werden. Für das Learning Management verwenden wir Microsoft Teams.

Florian Nill: Ich habe Classroom Management Systeme im Einsatz. Das funktioniert sehr gut bei uns. Ich kann dort zum Beispiel einstellen, dass sich die Kinder, wenn sie im Schulnetzwerk sind, nur mit ihren Schul-Accounts anmelden können. Es ist beim Chromebook einfach möglich, dass die Kinder einen privaten und einen Schul-Account mit dem gleichen Gerät nutzen. Bei dem privaten Account können die Kinder dann auch Spiele installieren und andere Apps, die sie zu Hause gerne verwenden möchten. Wenn sie dann im Schulnetzwerk mit ihrem Schul-Account angemeldet sind, kann ich die Geräte aber managen. Da kann ich Seiten zur Verfügung stellen bzw. auch sperren und spezielle Einstellungen für Prüfungssituationen treffen, in welchen der Schüler oder die Schülerin dann z.B. nicht ins Internet gehen kann. Das ist alles über die Google Admin Konsole einstellbar, die sehr intuitiv funktioniert und einfach zu bedienen ist. Im Classroom Management, das immer die einzelne Stunde betrifft, kann zusätzlich der Bildschirm oder das Internet gesperrt werden.

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1) Zur Information: Eine „Classroom Management Software“ ermöglicht es Lehrkräften, im Blick zu behalten, was Schüler/innen im Klassenzimmer mit ihren digitalen Endgeräten tun. Mit einigen Software-Lösungen kann man z.B. die gewünschten Applikationen auf den Geräten der Kinder öffnen oder auch nicht gewünschte Applikationen sperren. Es gibt solche Software Lösungen für alle in der Initiative zur Auswahl stehenden Betriebssysteme. Die Verwendung einer Classroom Management Software wurde im §6 des SchDigiG geregelt.

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Die Referentin und die Referenten im Überblick:

Claudia Stöckelmaier:

  • Lehrerin an der INF-MS Stockerau in Niederösterreich
  • Unterrichtet seit 10 Jahren mit unterschiedlichen Windows Devices und setzt diese insbesondere in den Gegenständen Mathematik, Musik, Informatik, ECDL, Technisches und Textiles Werken, BSP, Berufsorientierung ein. An der INF-MS Stockerau findet der Einsatz digitaler Devices in nahezu allen Gegenständen statt.
  • Für weitere Fragen kontaktieren Sie sie gerne unter: c.stoeckelmaier@infnms.at

Klaus-Jürgen Spätauf:

  • Lehrer an der MSi Feuerbachstraße in Wien
  • Unterrichtet seit 5 Jahren mit Apple iPads und setzt diese insbesondere in den Gegenständen Mathematik, Geografie & Wirtschaftskunde, Berufsorientierung und seiner Tätigkeit als Klassenvorstand ein.
  • Für weitere Fragen kontaktieren Sie ihn gerne unter: spaetauf.klaus@gmx.at

Kurt Söser:

  • Lehrer an der HAK Steyr in Oberösterreich
  • Unterrichtet seit 15 Jahren mit unterschiedlichen Windows Geräten und setzt diese insbesondere im Gegenstand Mathematik ein
  • Für weitere Fragen kontaktieren Sie ihn gerne unter: kurt@kurtsoeser.at

Florian Nill:

  • Lehrer an der LFS Bruck in Salzburg
  • Unterrichtet seit 5 Jahren mit Google for Education. Er setzt seit 2 Jahren Chromebooks ein, insbesondere in den Gegenständen Informatik, Unternehmensführung, Buchhaltung, politische Bildung, Hotel- und Rezeptionstechnik, Deutsch, Mathematik und Englisch.
  • Für weitere Fragen kontaktieren Sie ihn gerne unter: florian.nill@lfs-bruck.at